... an einem Abend im Juni des Sommer 2007 fiel die Entscheidung.

 

3 Wochen später stand er auf dem Hof.

Ich habe ihn bei einem sehr erfahrenen Porsche Schrauber gekauft, der schon seit über 30 Jahren Urelfer und G-Modelle instandsetzt und restauriert. Nachdem ich wusste, dass der Wagen auch bei ihm gewartet werden kann und ich ihm 100%tig vertraute, stand dem Kauf nichts mehr im Wege.

 

Der Targa hatte zu diesem Zeitpunkt 123.510 km dem Tacho, war mit Fuchsfelgen und einem übergrossen Heckspoiler sowie Frontspoiler ausgestattet, die weder ihm, noch seinem neuen Besitzer gefiel.

80ziger Jahre halt ...

Der Spoilermonteur hat den Wagen vor ca. 20 Jahren von hellblau-metallic in indisch-rot umlackieren lassen.

Und das gründlich.

 

Indisch-rot war Mitte/Ende der 80zigern und Anfang der 90ziger en-vogue.  Nirgends ist ein Fleckchen der Originalfarbe mehr zu entdecken. Zumindest war in dem Modelljahr die Farbe indisch-rot eine Standardfarbe.

Desweiteren hatte vermutlich der gleiche Vorbesitzer folgende Änderungen vorgenommen um den SC wie einen 3.2  Carrera aussehen zu lassen:

  • In den beiden vorderen Kotflügeln wurde ein Loch gebohrt um anschliessend einen Blinker daran zu dübeln (die wurden allerdings nie verkabelt und funktionierten natürlich auch nicht). Blinker in den vorderen Kotflügeln wurden erst ab Modelljahr 1981 sereinmässig (B-Programm) verbaut.
  • Das 911SC Zeichen wurde gegen das Carrera Zeichen ausgetauscht. Zwischenzeitlich wurden wohl auch 2 Ralley Scheinwerfer auf die Kofferraumhaube montiert, später allerdings wieder demontiert. Die Löcher wurden mehr schlecht als recht zugespachtelt und amatuerhaft lackiert. Schlieren und Unebenheiten auf dem vorderen Bereich der Kofferraumhaube waren die Folge.
  • Und zu dem Turbospoiler muss ja nicht viel gesagt werden ...

Aber sonst .. -  stand er da wie für mich gemacht.

 

Damals hatte es mich schon gejuckt ... - der Wagen muss wieder so hergerichtet werden, wie er ausgeliefert worden ist.

Da die Versetzung in den Originalzustand nicht umsonst zu bekommen war, musste das Projetk noch einige Jahre warten.

 

Nachdem der 11er drei Tage in meinem Besitz war, hat sich der mechanische Kettenspanner mit einem unüberhörbaren Kettenrasseln verabschiedet. Ich war gerade in Luzern angekommen und wollte meine erste Passfahrt geniessen.

Wie sich glücklicherweise herausstellte, wurde mein Vertrauen in den Schrauber meines Vertrauens nicht enttäuscht:

Er hat den Wagen kostenlos abschleppen lassen und den mechanischen gegen einen neuen hydraulischen Kettenspanner ersetzt. Die hydraulischen Kettenspanner wurden damals als Ersatzkid von Porsche angeboten.

Der mechanische Kettenspanner war bekannt dafür, ab einer gewissen Kilometerleistung den Dienst zu versagen und damit das Risiko eines kapitalen Motorschadens signifikant zu erhöhen.

Nur Hardcore-Originalisten & Puristen tauschen den mechanischen Kettenspanner nicht aus.


2008

Im Frühjahr 2008 habe ich mich dazu entschlossen den gesamten Unterboden des Wagens neu aufbereiten zu lassen. Inklusive einer Hohlraumkonservierung.

Also ab Richtung Stuttgart .... das Ergebniss konnte sich sehen lassen. Es wurden an den zu sichtenden Stellen keine Roststellen entdeckt.

Die Hohlräume wurden zunächst mit Fertan behandelt und anschliessend mit Mike Sander's Fett konserviert.

Eindrücke: vor dem Eistrahlen - nach dem Eiststrahlen ...

und nach anschliessender Neuaufbereitung ....

Als nächstes musste der Spoiler runter ....

Ich habe damals einen gebrauchten Motordeckel von dem gleichen Modell besorgt. Anschliessend wurde der gebrauchte Deckel in indisch-rot lackiert. Leider war auf dem gebrauchten Deckel ebenfalls einmal eine Flosse montiert, so dass auch hier die Löcher geschlossen werden mussten. Der Lackierer hat gute Arbeit geleistet - gerade indisch-rot ist eine empfindliche Farbe, und es ist zum Teil sehr schwierig den gleichen Ton zu treffen, da roter Lack zum ausbleichen neigt und nach einigen Jahren die Originalfarbe schon schwer zu treffen ist.

 

Leider wurde nach Abschluss der Lackierarbeiten der originale Schriftzug 911SC, den ich inzwischen besorgt hatte, an der falschen Stelle montiert. Klar - dort waren die entsprechenden Löcher schon vorhanden - wenn ein Spoiler montiert ist, sind die Schriftzüge unterhalb des Spoilers montiert.

Sieht bescheiden aus und hat mich 4 Jahre gewurmt.


2009

Nachdem ich jetzt schon einiges investiert hatte, musste eine Oldtimer Versicherung her. Oldtimer Versicherungen verlangen dazu in der Regel ein Gutachten eines von Ihnen anerkannten Oldtimer-Experten.

So geschehen im Juni 2009.

Der Wagen wurde mit einer Zustandsnote (gemäss Eurotax Interclassic oder Classic Data) von  2-  und einem entsprechenden Versicherungswert eingeschätzt. Anschliessend konnte ich den Wagen bei der Oldtimer Versicherung versichern.

Da fühlt man sich direkt besser. Der Versicherungswert lag 15% über dem, was ich für den Wagen bezahlt habe. Fair enough  - ich hatte ja bereits einiges investiert. Wenn mich jetzt der Traktorfahrer übersehen würde - würde mir die Versicherung nicht mehr nur den Zeitwert, sondern den versicherten Wert ersetzten. Gleiches bei Diebstahl oder Vandalismus.

Kann ich nur dringend emfehlen.

 

Ab und an habe ich mich mit der Historie des Wagens beschäftigt. In der Schweiz kann man sich bei dem eidgenössischen Department für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation des Bundesamtes für Verkehr für jedes Auto die bisherigen Halter ausgeben lassen.

Dies habe ich am 07.08.2009 beantragt.

Heraus kam dabei folgendes:

  • Datum der ersten Inverkehrssetzung: 01.05.1980
  • Halterwechsel am 05.01.1994 (14 jahre in Erstbesitz),
  • Halterwechsel am 14.07.2000,
  • Ausserverkehrsetzung am 27.12.2004, war dann nicht in Betrieb bis:
  • Inverkehrsetzung am 15.03.2006 (zu dem Schrauber meines Vertrauens),
  • Halterwechsel am 05.05.2006 (zu dem Sohn des Schraubers meines Vertrauens),
  • Halterwechsel am 27.07.2007 zu mir.

Nach den regelmässigen im Jahresturnus durchgeführten Arbeiten an dem 11er durch den Schrauber meines Vertrauens (Ölwechsel, allgemeine Checks etc, etc ...) holte mich dann im Juli 2009 der erste kostspielige Schaden ein:

Der Mengenteiler hatte sich verabschiedet und musste mitsamt aller Einspritzdüsen ausgetauscht werden. Das war nicht billig.


2010 und 2011

Neben den normalen durchgeführten Wartungsarbeiten gab es in den jahren 2010 und 2012 nichts zu berichten, , ausser dass der Mensch des Strassenverkehrsamtes bei der letzten MFK (Motorfahrzeugkontrolle) beanstandet hat, dass die Seitenblinker der vorderen Kotflügel nicht funktionieren würden (komisch) und sie

a) entweder demontiert werden, oder

b) funktionieren müssten.

 

Bei der nächsten Kontrolle müsste das in Ordnung gebracht werden.

Das kam mir gerade recht. Endlich hatte ich einen Anlass, die Blinker anzugehen.

Da ich den Wagen in Richtung Originalität bringen wollte, war jetzt der richtige Zeitpunkt, auch den Motordeckel lackieren und den Schriftzug an die richtige Stelle montieren zu lassen. Die Kotflügel und die Türen mussten ja eh' lackiert werden, wenn die Blinker demontiert und die Löcher geschlossen werden.

Gesagt, getan:


2012

Im August 2012 wurden die Lackierarbeiten durchgeführt.

Schriftzug an der richtigen Stelle und ....

 ... ohne Seitenblinker in den Kotflügeln.

Besser ist das.

2011 habe ich den Motorradführerschein gemacht - da spielte der 11er nicht mehr die erste Geige und wurde bis einschliesslich Mitte 2015 nur noch ab und zu bewegt.

Zudem habe ich Anfang 2014 mit dem Gleitschirmfliegen angefangen. Motorradfahren, Gleitschirm fliegen und Targa fahren sind im Sommer bei schönem Wetter konkurrierende Hobbies ...

Die Kilometerbilanz des 11ers seit 2007 sieht folgendermassen aus:

Jahr gefahrene Kilometer
2007 18010
2008 15501
2009 7990
2010 4416
2011 2739
2012 3100
2013 1110
2014 1243

2015

Im Frühjahr 2015 habe ich mich dazu entschieden, den 11er zu verkaufen. Ich hatte durch das Motorradfahren und das Gleitschirmfliegen andere Prioritäten gesetzt und den 11er nur noch bewegt um ihn zu bewegen.

Dafür war er zu schade.

 

Bevor ich ihn verkaufe, wollte ich ihn noch durchchecken und den jährlichen Service machen lassen. Die MFK stand ohnehin an. Die MFK bestand der 11er ohne Probleme. Der Schrauber meines Vertrauens hatte ihn beim Strassenverkehrsamt vorgeführt und den Experten gefragt, ob er Zeit hätte, den Wagen direkt auch als Oldtimer oder wie die Schweizer sagen: Veteran abzunehmen.

Der Experte hatte Zeit - und 1 Stunde später hatte mein 11er den Status: Veteran. Im Fahrzeugschein eingetragen!

Er war jetzt ein offizieller Oldtimer und muss nur noch alle 6 Jahre zur Prüfung ins Strassenverkehrsamt.

 

Doch danach kam alles anders, als geplant ... und es begann mit diesem kleinen Papierchen: